Aktuelle Ausstellung: "BLICK:PUNKT Allgäu – nah dran."

23.10.2026 – 15.01.2027

„nah dran“ untersucht Nähe als räumlichen, emotionalen und auch politischen Zustand, der unser Zeitgeschehen bestimmt. Die Ausstellung versammelt künstlerische Positionen, die sich mit dem Verhältnis von Mensch, Landschaft und gesellschaftlicher Spannung beschäftigen. Mit der Zunahme und den räumlichen Verschiebungen der Erdbevölkerung steht Natur und Landschaft als Lebensraum im besonderen Fokus. Im Allgäu – in unmittelbarer Nähe zu Bergen, Wetterumschwüngen und vordergründig touristischer Idylle – erhält der Titel eine doppelte Bedeutung: Nähe zur Natur und zugleich Nähe zu gesellschaftlichen Kipppunkten, das Dasein des Menschen im Kontext der sich verändernden Natur und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Die Nähe der Berge bedeutet nicht eingeschränkte Sicht, sondern das Gefordert sein, sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen. Und Auseinandersetzung setzt die Wahrnehmung des Gegenübers voraus.

hintere Reihe v.li.n.re.: Künster:innen Elisabeth Bader, Alexander Kling, Julia Obermaier, Winfried Egger, Daniela Riß, Kuratorin Uta Römer Vordere Reihe v.li.n.re.: Sebastian Mayrhofer, Nikolaus Faßlrinner

Die Künstlerinnen und Künstler

Alexander_Kling ©Corbinian_Kling

2007 im Allgäu geboren, lebt und arbeitet der Künstler Alexander Kling in Oberstdorf. Seit 2022 stellt er seine Arbeiten regelmäßig aus, unter anderem in Oberstdorf, Immenstadt und Sonthofen. 2025 absolvierte er seinen Schulabschluss an der MOS Kempten und wurde im selben Jahr mit dem Kunstpreis der Stadt Sonthofen ausgezeichnet. Die dargestellten Landschaften sind eng mit Erinnerungen an bestimmte Erlebnisse oder Begegnungen verbunden. Hinter jeder Landschaftsarbeit steckt eine persönliche Geschichte. Sie sind wie ein Tagebuch, halten Momente fest und erinnern an Orte, die Alexander Kling besonders beeindruckt und begleitet haben. Beim Malen denkt er an diese Erinnerungen zurück und versucht, sie sichtbar zu machen. Vor allem spielen die Berge eine wichtige Rolle. Sie machen die Größe und Kraft der Natur deutlich und zeigen, wie imposant und vielfältig Landschaft sein kann. Bei Wanderungen nimmt der Künstler die Umgebung bewusst wahr und entdeckt immer wieder neue Perspektiven.

Nikolaus-Faßlrinner ©Studio_Erika

1986 in Karlsruhe geboren, lebt und arbeitet im Allgäu. Studium Malerei/Grafik an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bei Prof. Thomas Rug. Auslandssemester an der Tianjin Academy of Fine Arts, China. Diplom Grafik, Klasse Prof. Thomas Rug. 2013–2017 Meisterschüler bei Prof. Peter Bömmels an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. „Ich bin ein Realist in meinen Träumen“: Durch seinen Studienaufenthalt in China entwickelte Nikolaus Faßlrinner einen künstlerischen Schwerpunkt im Zeichnen mit Tusche und Pinsel auf Papier. Darüber hinaus malt er mit Ölfarben auf Leinwände oder gefundenen Brettern. Es entstehen phantastische, rätselhafte Räume und Gefühlslandschaften, in denen Tiere, Menschen und Mischwesen aufeinander treffen. Sie huschen wie Träume durch die Bilder.

Anna Dorothea Klug ©Anna Dorothea Klug

Geboren 1984 in Nürnberg, aufgewachsen in Hohenlohe, lebt in Haldenwang. Studium Plastik/Keramik an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle bei Prof. Martin Neubert. Studium an der Ohio University, Athens, USA, bei Prof. Brad Schwieger und Prof. Tom Bartel. Diplom in Halle, anschließend freischaffend in Ateliergemeinschaft mit Nikolaus Faßlrinner. 2019 Umzug der Familie ins Allgäu. Die Künstlerin erzählt mit ihren keramischen Wesen Geschichten von Gefühlen und Stimmungen. Aus Zeichnungen entwickeln sich Figuren, die in Installationen zusammentreffen. Sie sucht Bilder für unbewusste Gefühle und erforscht das Unsichtbare – Sehnsucht und Geborgen-heit, Unheimliches und Angst. Oft entstehen unverhofft bekannte Gesichter eines fast vergessenen Gegenübers. Sie arbeitet mit rotem, stark schamottiertem, niedrig brennendem Ton und Unterglasurfarben.

Sebastian Mayerhofer ©Allg. Festwoche

1987 geboren in Kaufbeuren. Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Res Ingold, 1. Staatsexamen und Master of Arts für interdisziplinäre Projekte. Seit 2020 am Institut für plastische Verformung in Kaufbeuren. Institut für plastische Verformung: Materialversuche im künstlerischen Labor. Experimente mit Statik und Dynamik: Skulptur zwischen Planung und Zufall mit offenem Ausgang. Geologische Prozesse, Klimawandel und Überbelastungen machen die Erde zu einem instabilen Ort. Dazu kommen zerstörerische Konflikte und soziale Ungerechtigkeiten. Nichts bleibt, wie es ist. Auslöser und Folgen solcher Veränderungen, Brüche und Kippmomente labiler Gleichgewichte werden durch künstlerische Methoden provoziert und experimentell nachgestellt. Versuchsanlagen und Installationen sind auch Skulpturen, Prozesse werden zu Aufführungen und Performances, entstandene Spuren und Auf- zeichnungen zu grafischen Formaten.

Elisabeth Bader ©Marion dos Santos

1978 in Kempten geboren, studierte Kunstpädagogik an der LMU München sowie Malerei, Radierung und Lithografie an der Universidad Complutense de Madrid. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Ihre Arbeiten werden regelmäßig in Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt. Sie lebt und arbeitet im Allgäu. Zuerst die Natur, dann der Mensch und erst dann die Kunst: So versteht die Künstlerin Elisabeth Bader ein intaktes Weltgefüge. Ihre Objekte und Raumarbeiten beginnen oft mit akribischen Beobachtungen der Natur und einer neugierigen Auseinandersetzung mit den vielfältigen Ausprägungen des Lebens. Aus gebrauchten und einfachen Materialien natürlichen Ursprungs entstehen fragile, organisch anmutende Strukturen zwischen Wachstum und Vergänglichkeit, Schönheit und Verletzlichkeit. Ihr Spiel mit verstrickten Strukturen, Flechtwerk sowie Licht und Schatten vermittelt Respekt vor der Kraft der Natur und des Lebens.

Winfried Egger ©Winfried Egger

Geboren in Immenstadt, Ausbildung zum Buch- und Flachdrucker. Mehrmonatige Arbeits- und Studienaufenthalte in Osaka, Japan, und Südfrankreich. Drucktechniker-Studium an der Akademie für das Grafische Gewerbe in München. Bis 2013 Experte für Druckproduktionen für Mode, Museen, Agenturen, Papierindustrie, Verlage und das Erzbischöfliche Kunstreferat. Das zentrale Motiv meiner Fotoarbeiten ist die Trettachspitze (2595 m). Licht, Jahreszeiten und Wetterverhältnisse erzeugen immer neue Landschaftsbilder. Manche Aufnahmen umgeben das Felsmassiv mit einer Aura des Mystischen. Das Vertraute vor der Haustüre entwickelt Nähe und Distanz zugleich. Gefühle und Erinnerungen bilden die Grundlage für Bilderserien und Bildcollagen. Die Arbeiten verbinden Fotografie, Druck-, Modell- und Collagearbeit und entstehen als Fotoabzüge und Drucke auf FineArt-Papier, Holz, Folien, Wellpappe, Seiden- und Einwickelpapier, Aluminium-platten und im Siebdruck.

Julia Obermaier ©Studio Erika

Künstlerin im Bereich Schmuck und Objekt aus Deutschland. Nach ihrer Ausbildung zur Goldschmiedin in Kaufbeuren-Neugablonz 2012 studierte sie Edelstein- und Schmuck an der Hochschule Trier, Campus Idar-Oberstein, wo sie 2016 ihren Bachelor of Fine Arts abschloss. Anschließend studierte sie Advanced Design an der Hochschule München und beendete den Master. Seit 2016 arbeitet sie in ihrem eigenen Atelier in Kempten im Allgäu. Der Edelstein ist die Kraft, die mich in meinem kreativen Schaffen antreibt. Es ist das Erforschen der Materialität und das Annähern an die Grenzen und Geheimnisse der Steine sowie ihre Bedeutung und Verwendung in unserer Gesellschaft. Meine Hände sind das Werkzeug für die Ideen meines Denkens. Durch sie ertaste und fühle ich Oberfläche und Kontur des Materials. Sie verbinden meine innere mit der äußeren Welt und treiben den wechselseitigen Prozess von Greifen und Begreifen an. Ein Kreislauf von Sehen, Berühren, Fühlen und Denken.

Daniela Riß ©Daniela Riß

Geboren 1975 in Eisleben, arbeitet Daniela Riß als freischaffende Künstlerin im Allgäu. Geprägt von den alten Meistern, verbindet sie figürliche Malerei von Akten, Porträts und fantasiegesteuerten Momentaufnahmen mit großformatiger Wand- und Lüftlmalerei. Ihre feinmalerische Präzision ist das Resultat einer eigenständigen, intensiven Werkstudie. 2020 gewann sie den artig Publikums-kunstpreis; seit 2021 stellt sie regional aus. Der Mensch und der Augenblick. Im Zentrum des künstlerischen Schaffens steht der Mensch in all seiner Unverfälschtheit und Intimität. Inspiriert von der Lichtführung des Barock und der Tradition der alten Meister, fängt die Künstlerin flüchtige Augenblicke auf der Leinwand ein. Ob Porträts, Akte oder zeitgenössische Szenen wie „Instagram“ – ihre Bilder leben vom atmosphärischen Spiel zwischen Licht und Schatten. Mit handwerklicher Präzision hält sie Momente des Innehaltens fest und macht die stille Präsenz und Seele des Augenblicks spürbar.

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